Blaulichtfilter
Die medizinische Antwort zu Blaulichtfilter lautet:
Für gesunde Augen gibt es keinen belastbaren klinischen Nutzen von Blaulichtfiltern in Brillengläsern.
➡️1. Die Netzhaut wird durch Alltags-Blaulicht nicht geschädigt!
Blaulichtfilter werden meist mit dem Argument verkauft, blaues Licht aus Displays (LED, Smartphone, PC) würde die Netzhaut schädigen oder Makuladegeneration fördern.
Medizinische Fakten:
Phototoxische Netzhautschäden entstehen nur bei extrem hoher Blaulichtintensität (z. B. Operationsmikroskope, Laser, Sonne).
Displays emittieren tausendfach geringere Blaulichtdosen als natürliches Tageslicht.
Tageslicht enthält deutlich mehr Blaulicht als jedes Display.
➡️ Wenn Display-Blaulicht schädlich wäre, müsste Tageslicht massiv schädigen – das tut es nicht.
Studienlage:
Keine prospektive klinische Studie zeigt, dass Blaulichtfilter:
die altersbedingte Makuladegeneration verhindern
die Netzhaut schützen
Sehschärfe langfristig verbessern
➡️2. Blaulicht ist physiologisch notwendig!
Blaulicht ist kein Feind, sondern biologisch essenziell:
Aktiviert intrinsisch photosensitive Ganglienzellen (ipRGCs)
Reguliert:
zirkadianen Rhythmus
Melatoninunterdrückung am Tag
Wachheit, Konzentration, Stimmung
➡️ Ein permanenter Blaulichtfilter kann diese Regulation stören, besonders bei Tagesgebrauch.
➡️3. Kein nachweisbarer Effekt bei „digitaler Augenbelastung“
Optiker behaupten oft, Blaulichtfilter reduzierten:
trockene Augen
Brennen
Kopfschmerzen
Bildschirmmüdigkeit
Medizinische Realität:
Digitale Augenbeschwerden entstehen primär durch:
reduzierte Blinkfrequenz
Akkommodationsstress
lange Naharbeit
trockene Raumluft
Blaulicht spielt dabei keine relevante Rolle.
Cochrane-Review 2023:
Blue-light filtering lenses do not improve visual performance or eye comfort compared with standard lenses.
➡️4. „Schlafargument“ ist nur zeitlich begrenzt relevant
Ja, Blaulicht kann abends Melatonin hemmen – aber:
Das betrifft nur die letzten 1–2 Stunden vor dem Schlafen
Ein ganztägiger Brillenfilter ist medizinisch unsinnig
Software-Filter (Night Shift, f.lux) sind:
gezielter
zeitlich steuerbar
kostenlos
stärker wirksam
➡️ Brille = grobes, unphysiologisches Werkzeug.
➡️ 5. Die Linse des Auges filtert bereits Blaulicht!!!!!
Die natürliche Augenlinse blockiert einen Großteil kurzwelligen Lichts
Mit zunehmendem Alter nimmt diese Filterwirkung sogar zu
➡️ Zusätzliche Filter sind redundant
➡️6. Medizinische Fachgesellschaften lehnen Blaulichtfilter ab
American Academy of Ophthalmology (AAO):
No scientific evidence supports blue-light filtering glasses for eye health.
DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft):
keine Empfehlung
kein präventiver Nutzen belegt
➡️7. Der wahre Grund für den Verkauf
Hohe Marge
Technisch leicht integrierbar
Angstbasiertes Marketing („Netzhautschädigung“, „Makuladegeneration“)
Medizinisch nicht evidenzbasiert
➡️Wann Blaulichtreduktion sinnvoll sein kann (Ausnahmen)
Kurzzeitig und gezielt:
Abends vor dem Schlafen (Software-Filter)
Schichtarbeit / Jetlag (zeitlich gesteuert)
Bestimmte neurologische Erkrankungen (ärztlich verordnet)
Nicht sinnvoll:
Dauerhaft
Tagsüber
Als „Augenschutz“
Medizinisches Fazit
Blaulichtfilter-Brillen sind für gesunde Menschen medizinisch wirkungslos.
Sie schützen weder die Netzhaut noch reduzieren sie Bildschirmbeschwerden messbar.
Der Nutzen ist marketinggetrieben, nicht evidenzbasiert.